Mittwoch, 18. Mai 2011

Grahamstown

"What is wrong with you Germans? You are always on time, you plan things and you enforce stuff if necessary... Seriously, what is wrong with you?" (Eine Südafrikanerin über die Deutschen)
Am vergangenen Freitag nahm mich ein Professor des Law Departments mit nach Grahamstown, wo wir die Rhodes University für ein Seminar über humanitäres Völkerrecht besuchten. Nachdem ich tagelang über meiner Masterarbeit gebrütet hatte, rechtfertigte ich mir gegenüber den Trip, mit der relativen thematischen Nähe des Seminars zu meiner Masterarbeit (In beiden Titeln kommt „International“ vor!). Grahamstown liegt im Landesinneren und ist ca. 120km von PE entfernt. Die Stadt war eine der ersten Siedlungen der Briten (nicht zu verwechseln mit den ersten hölländischen oder burischen Siedlungen im ausgehenden 16. Jahrhundert) und wurde 1812 als Militärstützpunkt gegründet.

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Rhodes University

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Kapelle, Rhodes University

Aufgrund meiner Abneigung gegnüber dem Konzept des Schweigens, ergab sich mit "meinem" Professor auf der Fahrt ein reges Gespräch, während dessen sich herausstellte, dass jener eine Sinnbild der Absurdität des einstigen Apartheid-Systems darstellt.

David A., weiß wie ein rügener Kreidefelsen und absolut europäischen Aussehens, wurde während der Apartheid, die 1994 endete, als Coloured kategorisiert. Nun muss man wissen, dass es einst drei, eigentlich vier, Kategorien von Rassen gab. Zum einen die "Weißen" (Buren, Briten, etc.), die Inder, die "Colourdes" (Braune Menschen und Mischlinge) und die Schwarzen. In jener Reihenfolge sanken auch Rechte, Bildungsausgaben (Es gab separate Bildungsfonds) und folglich auch der Wohlstand. Gemäß jener pseudo-wissenschaftlichen Kategorisierung wurden die "Rassen" bestimmten Stadtteilen zugeteilt, wodurch die heute berühmten Townships entstanden.

Nun hatte David A, einen arabischen Vater, weshalb er von Hause aus einen Dialekt im Englischen mitbekam. Dieser Dialekt, der an den Dialekt eines Colourdes o. Schwarzen erinnert, führte dazu, dass er - eine Kalkleiste - rechtlich verbindlich zum Coloured erklärt wurde (Herkunft des Vaters + Dialekt = Colured!!!). Nun musste er als Quasi-Weißer, in Stadtteilen zubringen die kulutrell und hautfarbentechnisch ausschließlich von "wirklichen" Colourdes bevölkert wurden, denen es z.B. verboten war auf bestimmten Bänken zu sitzen, öffentliche Toiletten zu benutzen ("Whites Only"), Stadtteile der Weißen zu betreten und zu wählen. Ein Dasein zwischen den "kulturen" bzw. "Rassen" war die Folge. Kurz: Der Mann ist ein Extrembeispiel für die Absurdität der Apartheid. Insofern hatte sich der Tripp schon wegen jener Stunden in "Geschichte Südafrikas" gelohnt...

Zurück nach Grahamstown....Das Stadtzentrum ist eine kleine Perle aus viktorianischen Bauten und Alleen mit kleinstädtischer Atmosphäre. Das Durchschreiten der Innenstadt dauert ebenso lange wie die Überquerung des Campus - ca. 15min.

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Nach einem mondänen und noblen Mittagessen auf Kosten der Rhodes University mit dem schwärzesten Mann, den ich jemals gesehen habe und einem wichtigen Kühlschrankmagnetkauf, ging es wieder heim nach PE and meine Masterarbeit.

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